Workshop

"Eine (fremde) Stimme geben? Optionen der Anonymisierung von Interviews und anderen sensiblen audiovisuellen Forschungsdaten”

Charité Universitätsmedizin Berlin, 5. November 2026 

Abstract:

Forschungsprojekte, die Oral History und andere audiovisuelle Interviewmethoden nutzen, stehen vor einer zentralen Herausforderung: Nach den FAIR-Prinzipien sollen auch audiovisuelle Forschungsdaten möglichst einfach zugänglich sein, etwa durch die Bereitstellung in einem Online-Archiv. Dieser Anspruch deckt sich in Oral History-Projekten häufig mit dem Anliegen der Interviewten, ihre Geschichte der Öffentlichkeit und zukünftigen Generationen zugänglich zu machen. Wie können allerdings sensible Forschungsdaten für Zugang und Nachnutzung bereitgestellt werden, ohne die Interviewten zu gefährden? Wie kann insbesondere Personen, die eines besonderen Schutzes bedürfen, gleichzeitig eine substantielle Partizipation an Entscheidungen über die Darstellung und Nachnutzung ihrer Interviews ermöglicht werden – ohne dass Schutzmaßnahmen in eine Fremdbestimmung über die Betroffenen umschlagen? Eine zentrale, in der Forschungspraxis bislang wenig systematisch behandelte Frage ist dabei die Anonymisierung audiovisueller Quellen. Die Anonymisierung etwa durch Veränderungen im Transkript oder durch Stimm- und Bildverfremdung sowie begleitender Metadaten, oder eine differenzierte Vergabe von Zugriffsrechten, sind dabei zentrale Bausteine, deren konkrete technische Umsetzung zahlreiche methodische und ethische Fragen aufwirft. In der Praxis spielen außerdem disziplinär unterschiedliche Fachtraditionen und mitunter methodische Vorbehalte gegenüber nicht mehr kontextualisierbaren Forschungsdaten eine Rolle.

In dieser interdisziplinären Forschungswerkstatt werden anhand eines konkreten Interviewbeispiels verschiedene Verfahren der Unkenntlichmachung – von der Verfremdung über die Pseudonymisierung bis hin zu gestuften Zugriffsmodellen – vorgestellt und aus unterschiedlichen Perspektiven diskutiert: aus Sicht der Interviewten, der Erschließer*innen, nachnutzender Forscher*innen, Archivar*innen und Infrastrukturbetreiber*innen.

Der Workshop ist eine Zusammenarbeit des Arbeitsbereichs Digitale Interview-Sammlungen an der Universitätsbibliothek der Freien Universität Berlin und des Instituts für Geschichte und Ethik der Medizin an der Charité – Universitätsmedizin Berlin im Rahmen des Projekts „Sharing Multimodal Data“ der Berlin University Alliance gemeinsam mit den Projekten „Medicating Sex“ (Sonderforschungsbereich 1665, Sexdiversity) an der Charité Berlin und dem Projekt „Beyond Thalidomide“ (ERC) an der Universität Wien.

Zeit: Donnerstag, 5. November 2026, 10:00 bis 14:00 Uhr

Ort: Seminarraum, Institut für Geschichte und Ethik der Medizin der Charité, Thielallee 71, 14195 Berlin

Der Workshop findet primär als Präsenzveranstaltung statt; eine Online-Teilnahme ist möglich.

Arbeitssprache ist Deutsch, Beiträge auf Englisch sind möglich.

Die Kapazität im Raum ist limitiert. Wir bitten um Anmeldung bis 30.9.2026 per Mail an Annalena.fuchs(at)charite.de